Palestrinas kunstvolle Musik galt als perfekte Balance aus Satzkunst, Textverständlichkeit und erhabenem Schönklang. Im 19. Jahrhundert erhielt sie das Attribut "abgeklärt", oft mit "emotionslos" gleichgesetzt. In der Musik dieses NoonSongs wird hörbar, wie bewegend Palestrinas Musik doch ist und wie sein Vorbild über die Jahrhunderte weiter gewirkt hat.
Palestrina war und ist bis heute stilbildend. Wer Komposition studiert, muss seine Prinzipien kennen, die die katholische Kirchenmusik fünf Jahrhunderte lang prägten. Palestrinas schuf ausgewogene, perfekt zwischen Textverständlichkeit und kunstvoller Polyphonie ausbalancierte, entrückte, abgeklärte Werke. Die nahezu 2.700 Jahre alten Texte in den Klageliedern des Jeremias betrauern die Zerstörung Jerusalems. Streng und kunstvoll gegliedert führten sie als liturgische Gesänge in der Passionszeit von Gründonnerstag bis zur völligen Dunkelheit in der Nacht von Karsamstag. Diese dramatische musikalische Inszenierung inspiriert auch zeitgenössische Komponisten. Beim NightSong zu Ehren Palestrinas kommen zwei Vokalwerke zur Uraufführung, die Ali Gorji und Frank Schwemmer aus diesem Anlass geschrieben haben. Die beiden in Berlin lebenden Komponisten verarbeiten unterschiedliche kulturelle Einflüsse und treffen sich bei Palestrina, dem sie Impulse und Anregung verdanken.
Das meditative Konzert klingt aus mit dem berühmten “Miserere” von Allegri, bei welchem sich die Sopranistin engelsgleich auf das hohe c”’ schwingt.
Der Eintritt ist frei.
Zwei große und kaum bekannte Renaissance-Komponisten prägen die Musik des heutigen NoonSongs. Während der englische Komponist Peter Philips in engem Kontakt mit vielen wichtigen europäischen Komponisten stand und Einflüsse aus England, Italien und Flandern genial miteinander verschmolz, ist die ebenso eindrucksvolle Chormusik des polnischen Komponisten Zieleński, die fast gleichzeitig entstand, singulär in Polen.