William Byrds geistliche Musik legte den Grundstein und auch die hohe Messlatte für die gesamte anglikanische Kirchenmusik. Dennoch blieb der Komponist trotz aller Anfeindungen und Risiken stets seinem katholischen Glauben verbunden - wahre Ökumene also.
Geistliche Musik des italienischen Renaissance-Fürsten Gesualdo erklingt in diesem NoonSong: kunstvoll, versponnen, auch obskur - eben die Musik eines nachtwandelnden Sonderlings, der aus Eifersucht zum Mörder wurde.
Nur fünf Quellen gibt es für den altrömischen Choral, eine Frühform des gregorianischen Chorals aus dem 5. bis 7. Jahrhundert. Faszinierend sind seine langen schweifenden Melodien, welche die Sänger wie die Zuhörenden in meditative Versenkung einstimmt. Das Graduale "Christus factus est" hingegen entstammt der Blütezeit der Gregorianik um das Jahr 1000 und überrascht mit seiner ausdrucksstarken Melodieführung.
Zum Namensfest des Apostels Matthias erklingt erstmals die große doppelchörige Motette des Bach-Vorfahren Johann Michael Bach. Seinem "stillen, zurückgezogenen" Charakter entspricht die eindrückliche doppelchörige Musik.
Drei Komponisten, die zur gleichen Zeit gelebt haben finden völlig unterschiedliche Tonsprachen für Musik der Fastenzeit: Der Anglikaner Wesley führt die Tradition des Anthems - der Motette mit Orgelbegleitung - in einem großen, sprachgewaltigen, doppelchörigen Chorwerk fort, der Breslauer Komponist Brosig orientiert sich ganz an Palestrina während das berühmteste Werk, das "Christus factus est" von Bruckner das gesamte Spektrum der Stimme ebenso ausnutzt wie die komplexesten Harmonien - so hat das Werk sogar in die Popmusik Einzug gehalten.