610. NoonSong am 21.01.2023 um 12:00
Neuere englische Kathedralmusik prägt diesen NoonSong. Auf dem Kontinent ist sie trotz ihrer hohen Qualität noch so gut wie unbekannt.
Neuere englische Kathedralmusik prägt diesen NoonSong. Auf dem Kontinent ist sie trotz ihrer hohen Qualität noch so gut wie unbekannt.
Zwei Jahrhunderte Alter Musik sind in diesem NoonSong erlebbar: Werke der Renaissance mit Lasso und Hassler, des Barocks mit Reading und Ahle bis hin zur Empfindsamkeit mit Johann Heinrich Rolle bieten einen interessanten Überblick über die christliche Vokalmusik Deutschlands.
Mit dem Beginn der "Vorfastenzeit" wird die Musik im NoonSong besinnlicher. Die berühmten Worte aus dem Johannes-Evangelium "Also hat Gott die Welt geliebt" erklingen in dieser und in den folgenden Wochen als Canticum.
Zum 400. Todestag des großen englischen Renaissancekomponisten William Byrd singt das Vokalensemble sirventes berlin das grandiose, geradezu üppige geistliche Werk „The Great Service“. Vermutlich entstand diese umfangreiche Vertonung eines ganzen anglikanischen Gottesdienstes für die Chapel Royal in London, und zwar vor dem Jahr 1606. Die Besetzung für zehn Stimmen und der musikalische Satz sind dermaßen anspruchsvoll, dass dieses 1923 wieder entdeckte Meisterwerk nur selten einstudiert wird, demzufolge auch neu zu entdecken ist.
Die Musik dieses NoonSongs entführt ins Italien der Renaissance und des Barock. Dramatisch, affektvoll, textausdeutend und etwas opernhaft, aber durch und durch katholisch und erhaben präsentiert sich die Musik außerordentlich vielgestaltig und bewegend.
Anglikanische, calvinistische, katholische und protestantische Kirchenmusik treffen in diesem NoonSong aufeinander und zeigt bei aller Unterschiedlichkeit die innere Verbundenheit der verschiedenen christlichen Denominationen.
In der Passionszeit sind die Texte der Psalmen und Lesungen flehend, klagend, aber auch immer hoffnungsvoll. So erhebt der Beter im Psalm 25 die Hände bittend im Gebet zum Himmel, von welchem ihm Hilfe kommt.
Erneut sehr feierlich englisch ist dieser NoonSong - und damit ganz nah an seinem Vorbild, dem anglikanischen Evensong. In der Musik wird die innovative Kraft der starken traditionellen Verankerung englischer Chormusik erlebbar, eine Musik, die auf dem Festland noch kaum bekannt ist.
Zum Sonntag "Laetare - freuet Euch" hellt sich die Stimmung der liturgisch vorgeschriebenen Texte etwas auf: Wir erleben dies in Vertonungen französischer Komponisten. Die Kirchenmusik von Camille Saint-Saens ist selbst in Frankreich noch neu zu entdecken. Wunderbar drückt er die Sehnsucht nach dem Haus des Herrn im Psalm 84 in einer Vertonung für Chor und Klavier aus.
Musik des Coburger Renaissance-Komponisten Melchior Franck steht im Zentrum dieses NoonSongs: seine großbesetzten, eindrucksvollen Motetten werden durch den NoonSong gerade wieder entdeckt, während seine vierstimmigen Werke zum Repertoire der meisten Kirchenchöre gehören.