Heute können Sie im NoonSong geistliche Musik der Spätromantik entdecken. Vor nicht einmal 100 Jahren hat Georg Schumann das Musikleben Berlins entscheidend geprägt, heute erinnert sich kaum jemand an diesen vielseitigen Musiker. Seine eindringliche Psalmvertonung ist noch ganz in der erweiterten Harmonik des späten 19. Jahrhunderts verhaftet.
Orlando di Lasso muss schon als Kind ein Ausnahmetalent gewesen sein. Seiner außerordentlichen Gesangsstimme wegen wurde er mehrmals aus Flandern nach Italien entführt. Die Position des Hofkapellmeister bei Herzog Albrecht V. in München war seine Lebensstellung. In über 2000 (Vokal-)Kompositionen erweist er sich als Meister des ganzen Spektrums der Kompositionstechniken der Renaissance. Erstmals im NoonSong wird sein Magnificat über den eucharistischen Hymnus "Pange Lingua" im NoonSong erklingen.
Wie vielfältig und wie schnell sich der Musikstil im 17. und 18. Jahrhundert veränderte, ist im heutigen NoonSong gut zu hören: während der Spanier de Victoria die ruhig fließende Stimmführung der Renaissance an der Jahrhundertwende zu einem eleganten Höhepunkt führte, erweist sich der Magdeburger Komponist Rolle am Übergang zur Wiener Klassik stilistisch auf der Höhe seiner Zeit, indem er ausdrucksvoll liedhafte Melodik und lebendige Deklamation verbindet. Der Coburger Kapellmeister Melchior Franck verbindet kunstfertig Polyphonie und textbezogene musikalische Predigt.
So wie Herbert Howells in England die musikalische Tradition mit erweiterter Harmonik neu definierte, Der japanische Chorleiter und Komponist Matsushita ist seit seinem Studium, u.a. in Ungarn, bestens mit der europäischen Musik und Chortradition vertraut. Seine sängerisch herausfordernden Werke bestechen durch lebendige Rhythmik, kristallscharfe Harmonien und gregorianische Linien.
Einen fast kontinuierlichen Streifzug durch die anglikanische Kirchenmusik - und gleichzeitig der enge Austausch zwischen englischen und deutschen Komponisten - ist in diesem NoonSong zu hören. Die kantatenartigen Anthems von William Boyce sind ganz klar von Purcell und Händel beeinflußt, während Stanford und Vaughan Williams eindeutig an Mendelssohn anknüpfen, Der Bremer Musiker Reinthaler schließlich war sowohl mit Mendelssohn und insbesondere mit Brahms befreundet und bildet in diesem NoonSong-Programm das Bindeglied.